Auch aus Steinen die einem in den Weg gelegt werden kann man Schönes bauen.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Ein kluges Zitat, das in den letzten Monaten unser Trost und unser Ziel wurde. Nur muss man die Steine erst einmal aus dem Weg räumen, um etwas daraus bauen zu können. Und das kostet Kraft und Nerven und Zeit.

Fast zwei Jahre ist es her, dass wir den Pachtvertrag (mit formlos vereinbarter Kaufoption im kommenden Jahr) für unseren PhiHof unterschrieben haben, voller Elan und Pläne und Zuversicht. In diesen vielen Monaten dann haben sich viele Hoffnungen in Luft aufgelöst, wir mussten uns leider viel zu viel damit beschäftigen mächtige Steine aus dem Weg zu räumen. Wir haben versucht uns durchzukämpfen und uns unsere Geduld und Motivation zu erhalten – und wir haben viel gelernt.

Entgegen allen Versprechungen und erstrittenen Urteilen haben wir hier bis heute keinen Anschluss an die städtische Wasserversorgung – das Leben ohne fließendes Trinkwasser ist schwierig und unerfreulich. Wir haben gelernt wie wertvoll Trinkwasser ist – und was für ein Luxus es ist sich darüber gar keine Gedanken machen zu müssen. Sind wir doch in unserem Land damit aufgewachsen, dass man einfach nur den Wasserhahn aufdrehen muss und Wasser ein Grundrecht ist – theoretisch. In der Praxis mussten wir Lösungen finden um damit irgendwie zu leben.

Wir haben die Jahreszeiten zwangsläufig sehr bewusst und ursprünglich durchlebt – unsere Heizung, die auch für die Warmwasserversorgung zuständig war, ging immer wieder kaputt. Schließlich blieb nur noch der Werkskundendienst – der sie nicht nur für tot erklärte, sondern auch für fehlerhaft installiert und gefährlich. Also ein Leben ohne Trinkwasser, ohne warmes Wasser und ohne Heizung. Wir haben gelernt, wie wichtig diese Dinge für unsere Gesundheit sind und wie krank und schwach es machen kann wenn sie fehlen.

Wir haben gelernt, dass Recht haben und Recht bekommen in unserem Rechtsstaat doch zweierlei sind – dass man mit Gewissenlosigkeit, Bösartigkeit, Prozessbetrug und der richtigen Taktik zumindest eine Weile das eigentlich gute Recht verbiegen kann.

Es wurde offensichtlich wie richtig gerade dieser Standort wäre – stadtnah, verkehrsgünstig und trotzdem ländlich. Bundesstraße und Gewerbegebiet auf der einen Seite, Wohngebiet auf der anderen. Und dahinter und dazwischen Felder und der Rhein. Ein verwahrlostes, vergiftetes und verlassenes Stück Land, ein mögliches wertvolles Refugium, das erhalten und ergänzt werden sollte für die Stadtnatur auf der einen, und für die Flüchtlinge einer verödenden Landwirtschaftsregion auf der anderen Seite.

Leider mussten wir aber auch lernen, dass Natur Zukunft und Sicherheit braucht, die man ihr nur als Eigentümer bieten kann. Es ist nicht sinnvoll einen Teich anzulegen, Refugien zu schaffen, Wildtieren eine Heimat zu bieten, wenn man ihnen keine Sicherheit bieten und all das in Kürze wieder zerstört werden kann. So etwas würde mehr Unheil anrichten, als es helfen könnte. Den größten Teil unserer Pläne konnten wir hier deshalb nicht umsetzen.

Wir hatten hier zwangsläufig die Gelegenheit, viele Aspekte des täglichen Lebens außerhalb der Normalität und der gesellschaftlichen Normen zu erfahren und zu erleben – keine freiwillige, aber rückblickend bestimmt sehr wertvolle Selbsterfahrung.

Angeblich gibt es nun einen andern Käufer für den Hof, der unseren Ansatz mit Sicherheit nicht fortführen wird. Auch dieses Gelände wird also der Natur verloren gehen – wir werden das wohl nicht verhindern können und sind wieder auf der Suche nach einem geeigneten Objekt. Nach einer neuen Heimat für unsere Schützlinge und nach einem Ort, an dem wir etwas bewirken können, was dann auch den notwendigen Bestand hat.

Trotzdem haben wir einiges geschafft – wir haben zunächst Unmengen von Müll entsorgt, auch richtig bösen Sondermüll. Altöl zum Beispiel, das in den Boden sickerte und ihn kontaminiert hat. Wir haben begonnen uns mit der „Kunst des nachhaltigen Provisoriums“ zu beschäftigen, einem sinnvollen und wichtigen Feld in unserer Zeit.

Unsere Pläne für wildlebende Tiere konnten wir hier nicht verwirklichen, aber wir konnten trotzdem vielen Tieren helfen – unsere Bilanz kann sich trotz allem sehen lassen. Wir haben unsere Netzwerkarbeit fortgesetzt und wertvolle Hilfe erhalten von vielen Freunden und Kooperationspartnern (unseren herzlichen Dank dafür!!!). Wir konnten für viele Schwäne, Gänse, Enten, Rabenvögel, Frettchen, Hähne, Geflügel, Singvögel, Hunde, Katzen, Papageien, Weidetiere, Schildkröten, Fledermäuse und Exoten die individuell beste Lösung finden und sie in gute und sachkundige Hände vermitteln.

Und einer kleinen Zahl von Tieren in Not konnten wir hier ein sicheres Zuhause bieten und ihnen die nötige Pflege und Liebe zukommen lassen – jedenfalls bis jetzt. So haben wir hier zwei hinreißende Heidschnuckenmädchen, eine alte Milchziege, eine Zwergziege, zwei unvermittelbare Ponys mit einer üblen Vorgeschichte, einen Hahn und fünf goldige Hennen, Hunde und Katzen, ein Kaninchen und etliche Tauben.

Wir tun unser Bestes, jedem Einzelnen von ihnen gerecht zu werden – bis heute und hoffentlich auch in Zukunft.